Meine erste Taxifahrt in Manila
Im April 1994 flog ich das erste Mal auf die Philippinen, mit Philippine Airlines, denn die flogen damals noch Europa an. Schon in Frankfurt am Flughafen erwartete mich ein freundliches “Mabuhay” der Flugbegleiterinnen als ich das Flugzeug nach Manila bestieg.
Zwischenlandung war damals in Bangkok und ich freute mich schon wahnsinnig auf Manila. “Was erwartet mich denn dort?”, dachte ich damals. Aber es konnte ja so gut wie nichts schief gehen denn ein Bekannter wollte mich direkt am Airport abholen, soweit so gut. Als das Flugzeug dann philippinischen Boden unter den Rädern hatte war ich froh die lange Flugreise hinter mich gebracht zu haben.
An den 3 Musikern die dort fast immer ein paar Lieder für die ankommenden Gäste spielen vorbei ging es direkt zur Immigration. Dort gab es keine Komplikationen so das ich mich gleich an den baggage-claim begeben konnte um den Koffer in Empfang zu nehmen. Der kam dann auch schon bald und nun ging das Abenteuer erst richtig los, denn ich trat durch die Glastüren ins Freie hinaus. Ich dachte mich trifft der Schlag, keine Aircon mehr sondern so um die 30°C und eine für mich ungewohnt hohe Luftfeuchtigkeit schlug mir entgegen. Hinter mir schloss sich die schützende Glastür und geschäftige Pinoys fingen an meine Nerven zu testen. “Sir, do you want taxi?”, “Sir, you like to change money?”, “Sir, you looking for a hotel?”, “Sir, you need help with your lagguage?”.
Das war alles gut gemeint von den Filipinos, mich aber hinderte es daran einen klaren Kopf zu bewahren und mich auf die Abholung des Bekannten zu konzentrieren. Wie hatte er gesagt ? “Gehe raus aus dem Flughafengebäude und warte dort auf mich ich werde Dich dort abholen, darf aber weder anhalten noch parken so halte Ausschau nach meinem Auto”, so erinnerte mich an seine Worte.
Der Schweiss ran mir von der Stirn, innerhalb weniger Minuten war ich am ganzen Körper nass geschwitzt. Der durch die Autos verursachte Krach und die Abgase machten mir zu schaffen. Die Zeitverschiebung und die Müdigkeit nagten derweilen auch an meinen Nerven. “Sir, do you need hotel?” hörte ich wieder einen Filipino von der Seite sagen und deren regelrechte Penetranz was Hilfsleistungen und Angebote betrifft zehrten sehr an meiner Geduld. Ich verneinte höflich ohne meine Augen von den vorbeirollenden Autos zu wenden. Doch mein Bekannter kam und kam nicht. So wartete ich ein und eine halbe Stunde.
Da muss etwas dazwischen gekommen sein dachte ich mir und ich suchte ein Telefon auf um ihn anzurufen.
Den Koffer immer im Schlepptau, man weiss ja nie dachte ich mir. Ich rief dann meinen Bekannten an und er fragte mich zu meiner Überraschung wo ich denn sei ? Er wäre schon ein paar Mal durchgefahren ohne mich zu erspähen. Nun wie konnte das passieren? Er hatte mir vergessen mitzuteilen das man nach dem Verlassen des Gebäudes über die Straße gehen muss um dann nach rechts oder links den Abgang zu nehmen über welchen man in den Bereich Abholung gelangt. Ich stand da oben quasi im Departure und nicht im Arival Bereich.
Ok er wollte dann nicht nochmals losfahren was ich anhand dem Verkehrschaos welches um mich herum herrschte verstand. Nachdem ich die Adresse herausgekramt hatte stürzten diverse Filipinos auf mich zu als wenn sie spürten das sich jetzt wasbewegen müsste und die weisse Langnase nun doch einen Hilfsdienst gebrauchen könnte. Ich tat ihnen den Gefallen, einer schleppte den Koffer ein anderer schrie lautstark nach einem Taxi so das mein Tinnitus vor Freude jauchzte.
Dann hatte ich endlich ein Taxi vor mir, der Koffer verschwand ruck zuck im Kofferraum und ich zeigte dem Taxi Fahrer die Adresse während ich ein paar Pesos herauskramte um meine “treuen Gesellen vom Flughafen” für ihre Dienstezu entlohnen.
Der Fahrer bemerkte mein starkes Schwitzen und meinte überaus freundlich :”Boss, sit down inside the taxi,there is aircon, Boss!” Nichts lieber als das, dachte ich mir. Nachdem ich die Tür zugeschlagen hatte vestummte erst einmal der Lärm um mich herum soweit das die Isolierung der Karosse zulies. Als der Fahrer dann noch sämtliche zur Verfügung stehenden Lüftungsschlitze in meine Richtung einstellte dankte ich Gott für die erfrischende und sehr willkommende Abkühlung. Welch eine Wohltat sagte ich zu mir. Der Fahrer drehte sich mit einem überaus freundlichem Grinsen zu mir um und überreichte mir ein Buch welches in Samt eingeschlagen war.
In diesem Buch waren auf diversen Seiten die Stadtteile von Manila inklusive der Vororte aufgeführt, daneben standen dann die entsprechenden Preise plus Entfernungen. Das Ganze war dann wie ein Staatsvertrag mit Siegel und diversen Unterschriften “beglaubigt”. Na ja dachte ich mir, eben ein anderes Land, die haben andere Sitten, und das Taxi setzte sich in Bewegung. Endlich ging es los und der Taxifahrer meinte
er bräuchte für die Tour nach Bicutan etwa 1 1/2 bis 2 h denn es sei mit “heavy trafic” zu rechnen. Was das bedeutete zeigte sich keine 5 Minuten später. Stoßstange an Stoßstange quälten sich Autos, Taxis, Busse und Jeepneys durch den Verkehr, ein endloser Kampf um jeden Millimeter, so kam es mir vor. Aus 3 Fahrspuren wurden 5 oder 6 gemacht, rote Ampeln wurden ignoriert. Ab und zu waren Beamte zu sehen die
mit wedelnden Armen versuchten diesem Chaos Herr zu werden. Der “driver” zeigte sich von seiner besten Seite und fing an mir verschiedene Fragen zu stellen. Das lenkte mich ein wenig von der Müdigkeit ab denn ich war zu diesem Zeitpunkt fix und fertig. Wollte aber während der Taxi Fahrt auch nicht einschlafen sondern jeden Moment auf der Straße im vorbeifahren erhaschen. Nach ca.2 h kamen wir dann in Bicutan an und mir war fast übel von der unkoordinierten Fahrweise und der ständigen Ruckelei und Schaukelei.
Der Fahrer fand das Haus sehr schnell und noch schneller sprang er aus dem Taxi heraus um meinen Koffer auszuladen, diesen mit einem harten Schlag auf den Boden aufzusetzen, das Geld zu kassieren und mit quietschenden Reifen davon zu brausen. Der wird auf Kundenjagd gehen, dachte ich für mich und sah schon meinen Bekannten herbeieilen. Nach kurzer Begrüßung frug er mich ob alles Ok mit mir sei was ich bejahte.
Dann frug er mich nach dem Koffer und dem Gepäck und ich zeigte ihm stolz das nichts abhanden gekommen sei. “Komisch”, meinte er und machte sich Gedanken warum es der Fahrer plötzlich so eilig gehabt hatte. Auf dem Weg ins Haus frug er mich dann nach dem Preis welchen der Fahrer für die Tour verlangt hätte. Ich erwähnte dann das Buch und sagte ihm das ich die darin aufgeführten 50 US$ bezahlt hätte.
Mein Bekannter ließ vor lauter Lachen meinen Koffer fallen und schimpfte mich einen Idioten. Denn diese Taxifahrt hätte normalerweise knappe 200 philippinische Peso gekostet was so umgerechnet 3-4 Euro sind. Ich kam nochmals auf das Buch zurück und da er lachte noch lauter. “Da bist Du auf den alten Trick hereingefallen”, meinte er nur und schüttelte seinen Kopf. In der Tat fand ich später heraus das die Bücher
welche die Taxifahrer den Fahrgästen vorzeigen reine Fälschungen sind und es gar keine schriftlich fixierten Tarife gibt. Ich hatte gedacht das für eine 2 Stunden lange Taxifahrt in einer Großstadt wie Manila durchaus normal wären. Ein großer Irrtum, und so zahlte ich teures Lehrgeld bei meiner ersten Taxifahrt in Manila.
Ich konnte deine Ankunft in Manila sehr gut nachvollziehen, denn ich habe es dort ähnlich erlebt. Ich war sogar so gutgläubig und habe einem Filipino meine Kreditkarte leihweise ausgehändigt, der mir einreden wollte, er bräuchte sie als Buchungssicherheit für die Buchung meines Hotels. Zum Glück war es vielleicht tatsächlich so, denn er brachte mir die Karte gleich wieder zurück und sofort fuhr ein Taxi vor, welches mich zum gebuchten Hotel brachte.
Nie wieder werde ich irgendwo in der Fremde meine Visakarte aus der Hand geben, das war echt riskant. Fürs Taxi habe ich aber nur 250 Peso bezahlt, hab mich wenigstens da an den Reiseführer gehalten, in dem Preise standen…
Da hat dich der Taxifahrer aber voll gelinkt. Der hat sozusagen einen vollen Monatslohn von dir erhalten….
Hallo! Wie sich die Stories doch gleichen. Man ist regelrecht erschlagen, wenn man den Flughafen verläßt und in diese feuchte Hitze tritt. Nun, ich wurde auch erwartet. Keiner(!) hat mir gesagt, daß ich über die Straße gehen mußte, genau wie Du es beschrieben hast. Da kommt dann schon leichte Panik auf. Ich war jetzt im Juni auch das erste Mal auf den Philippinen. Da spricht man fast täglich miteiander, sagt, ich freue mich dich zu sehen, und dann ist da keiner. Oh mann, fühlte ich mich fast verarscht.
Viel Glück noch bei deinen weiteren Erlebnissen
MfG Oli