Anlässlich des Mega-Fights zwischen Ricky Hatton und Manny Pacquiao wirft sportal.de einen Blick auf die internationale Boxbranche und fragt sich, warum es bei großen Kämpfen in den USA immer seltener um große Titel geht. Für Samstag ist der “Battle of East and West” angekündigt. In Deutschland wenig beachtet, ist es in den USA ohne Frage das Box-Ereignis des Jahres. In der ausverkauften MGM Grand Garden Arena in Las Vegas, Nevada, trifft Manny “PacMan” Pacquiao auf Ricky “The Hitman” Hatton. Für 50 Dollar kann der geneigte Box-Fan per Pay-Per-View live dabei sein. Und die Amerikaner neigen dazu, große Kämpfe zu kaufen. Insgesamt rechnet der Branchen-Primus HBO mit einem Einspiel-Ergebnis von über 100 Millionen Dollar. Es geht also um viel – vor allem um viel Geld, aber nicht um einen Weltmeistertitel eines der vier großen Welt-Verbände. Am Ende des Abends werden zwar auch hier Gürtel vergeben, aber es sind “nur” die des kleinen Verbandes IBO sowie der von Oscar De La Hoyas “Golden Boy Promotion” ausgeschriebene Titel des “Ring Magazine” Champions im Halbweltergewicht. Die etablierten Organisationen WBC, WBA, WBO und IBF können nur tatenlos zusehen, wie der Kampf des Jahres ohne sie steigt. Aber warum?
“Money” Pacquiao – Boxer, Geschäftsmann, Werbe-Ikone
Der Grund ist in erster Linie das liebe Geld. PacMans Promoter Bob Arum geht davon aus, dass Pacquiao mit dem Kampf durch die Splittung der Einnahmen und der Beteiligung an den TV-Geldern bis zum 20 Millionen US-Dollar verdienen kann. Definitiv genug für einen Abend harte Arbeit, auch genug, um drei Prozent Verbands-Gebühren für eine WM verschmerzen zu können, sollte man meinen. Doch “Money” Pacquiao hat schon länger keine Lust mehr darauf, sein Einkommen mit den Verbänden zu teilen. Und er muss es auch nicht, da sich die großen amerikanischen TV-Sender – namentlich HBO und Showtime – nicht mehr für Titel, sondern in erster Linie für Namen, Köpfe und Kämpfe interessieren.Dass es die Verbände waren, die “PacMan” dazu verholfen haben, Weltmeister in vier Gewichtsklassen zu werden, sich so einen Namen zu machen und zum absoluten Top-Star der Szene aufzusteigen, ist da nur noch Randnotiz. Spätestens seit er im so genannten “Dreamfight” im Dezember 2008 Oscar De La Hoya besiegen konnte und dafür satte 11 Millionen US-Dollar kassierte, braucht der philippinische Volksheld keinen offiziellen Titel mehr, um sich als bester Boxer der Welt zu fühlen und von Fans und Experten als solcher anerkannt zu werden. Schon seit Jahren schlägt der inzwischen 30-Jährige eine Schneise quer durch die Gewichtsklassen und hat sich so Respekt und den Titel des “Pound-for-Pound-Champions” erarbeitet, also desjenigen Boxers, der “pro Pfund” am stärksten ist. Pacquiao gewann im März 2008 den WBC Super Federgewichtstitel gegen Juan Manuel Marquez. Statt diesen Titel zu verteidigen, stieg er lieber eine Gewichtsklasse auf und gewann gegen David Diaz den WBC-Titel im Leichtgewicht.Wiederum entschied er sich gegen eine Titelverteidigung und für den extrem lukrativen Kampf gegen De La Hoya – da der gerade keinen Titel hielt und für das Leichtgewicht deutlich zu schwer war, fand dieser Kampf außerhalb der von den Verbänden vorgeschriebenen Gewichtsgrenzen statt, so dass es um keine offizielle Meisterschaft gehen konnte. Fernsehen und Fans interessierte das Duell trotzdem, so dass mit dem “Dreamfight” insgesamt 100 Mio. US-Dollar umgesetzt werden konnten.
Den Namen in Gold aufwiegen? – Der Kampf vor dem Kampf
Spätestens durch diesen Kampf “lernte” der geschäftstüchtige Pacquiao von seinem Gegner und großen Vorbild De La Hoya endgültig, dass sich richtig große Kämpfe auch ohne den offizielle Segen von WBC, WBA, WBO und IBF – und damit ohne lästige Gebühren – an den Verbänden vorbei organisieren lassen.Eine wichtige Erkenntnis für “PacMan”, der in der Szene dafür bekannt (und nicht nur beliebt) ist, dass er mindestens so erbittert vor dem Kampf um die Börse wie im Ring um den Sieg kämpft. Auch das Ost-West-Duell gegen Hatton wäre fast daran gescheitert, dass Pacquiao durch seinen Promoter Bob Arum anfangs eine Aufteilung der Einnahmen von 60-40 verlangen ließ – man einigte sich schließlich auf eine Splittung von 52-48 zugunsten von Pacquiao. In seiner Heimat, den Philippinen, ist Manny trotz dieser Extravaganzen Volksheld und Werbe-Ikone. Schon 2004 empfing ihn die Präsidentin und überreichte ihm eine Verdienstmedaille, noch im selben Jahr erhielt er die Ehrenmedaille vom Senat sowie die Ehrendoktor-Würde der Southwestern University in Cebu City. Mit seinem Namen preist er nicht nur Lebensmittel und Arzneien an, sondern hilft zudem der Einkommenssteuerbehörde, die mit seinem Namen das Volk an die Steuerpflicht erinnert. Ausgerechnet er – ein Schelm, der Böses dabei denkt…
Ricky Hatton – die britische Ikone
Sein Gegner am Samstag gilt zwar eher als bodenständiger “Schläger”, als der Typ von nebenan. Die zurzeit neben Klitschko-Gegner David Haye größte britische Box-Ikone überzeugt aber durch unbändigen Kampfeswillen und eine lautstarke Fan-Gemeinde, die ihm traditionell bis Las Vegas folgt und schon bei seinem ersten ganz großen Kampf gegen den damals amtierenden “Pound-for-Pound-King” Floyd Mayweather jr. im Dezember 2007 für Wembley-Stimmung sorgte.Doch auch Hatton hat keinen “großen” WM-Titel in die Waagschale zu werfen, obwohl er allgemein als bester Halbweltergewichtler der Welt gehandelt wird. Nach einem ähnlichen Werdegang wie Pacquiao ist der ebenfalls 30-Jährige aber auch nicht mehr auf goldene Gürtel angewiesen. Als damals amtierender IBF- und WBA-Weltmeister entschloss sich der “Hitman” im Mai 2006 dazu, seine Titel niederzulegen, um im lukrativer scheinenden Weltergewicht den WBA-Weltmeister Luis Collazo zu entthronen. Statt aber bei den etwas schwereren Jungs zu bleiben, ging Hatton wieder zurück in seine angestammte Gewichtsklasse, wo er sich im Januar 2007 gegen Juan Urango auf Anhieb den IBF-Titel zurück erkämpfte. Sein zweiter Abstecher ins Weltergewicht endete 2007 zwar mit der bislang einzigen Niederlage des Briten gegen den übermächtigen Mayweather, dafür aber auch mit einem prall gefüllten Bankkonto und der Erkenntnis, dass große Titel nicht mehr notwendig sind, wenn man erst einen großen Namen hat.
Gefangen in den Strukturen der Verbände und Geldbörsen der Stars
Dass die Boxer also nicht auf die Verbände angewiesen sind, um großes Geld zu verdienen, ist die eine Seite der Medaille. Aber warum ist es scheinbar keine Ehre und kein besonderer Antrieb, einen Weltmeistergürtel zu tragen? Kein Fußballer fährt doch bis in die Haarspitzen motiviert zur WM, weil die vereinbarte Titelprämie so hoch ist. Warum reicht beim Boxen der Titel an sich nicht (mehr) als Motivation aus? Grund ist wohl, dass die vier großen Welt-Verbände zwar das Gerüst und den Rahmen für das moderne Profi-Boxen stellen, aber ebenso umstritten sind wie die Promoter und die gesamte Box-Politik. Zum einen wollen die Verbände Geld verdienen und erfinden deswegen zum Teil willkürlich neue Titel, um den Boxern Gebühren für Meisterschafts-Kämpfe abzuknöpfen. So führt die WBA neben dem Weltmeister in vielen Gewichtsklassen noch einen Super-Weltmeister, manchmal zudem Interims-Champions oder – wie aktuell im Schwergewicht mit Chagaev und Valuev – einfach mal zwei Titelträger nebeneinander.
Durch das Gerangel der Verbände hängt das Boxen in den Seilen
Zum anderen stehen die vier Branchenführer WBC, WBA, WBO und IBF in direkter Konkurrenz zueinander und diktieren aus gegenseitiger Geringschätzung zum Teil unsinnige Pflicht-Verteidigungen, anstatt Titelvereinigungen zu fördern, durch die der beste Boxer jeder Gewichtsklasse ermittelt werden könnte.Aktuellstes Beispiel hierfür ist der Amerikaner Timothy Bradley, bis vor kurzem WBC-Weltmeister im Halbweltergewicht. Am 4. April konnte sich der ungeschlagene 25-Jährige knapp aber verdient gegen WBO-Champion Kendall Holt durchsetzen und so zwei der vier “großen” Gürtel auf sich vereinen. Prompt setzte die WBC Bradley die Pistole auf die Brust und forderte ihn auf, sich zwischen den Titeln bzw. den nun wartenden Pflichtherausforderern zu entscheiden.Schweren Herzens legte der Mann mit dem Kampfnamen “Desert Storm” seinen WBC-Gürtel – der ihm erst die Chance gegeben hatte, um den Titel der WBO zu boxen – nieder, und die verständnislosen Box-Fans mussten wieder einmal einsehen, dass unumstrittene Weltmeister von den Verbänden wohl nicht gewollt sind. Hier beißt sich die Katze in den Schwanz. Die Weltverbände kritisieren auf der einen Seite, dass sie durch die Boxer “missbraucht” würden, die sich durch ihre Hilfe einen Namen machen und zu großen Stars werden, sie dann aber bei den lukrativen Kämpfen “aussperren”. Auf der anderen Seite entwerten sie ihre Gürtel durch Titel-Inflation und verhindern aus Habgier und Konkurrenzgehabe einheitliche Weltmeister, die sowohl den Überblick als auch die Wertigkeit von Titeln neu definieren würde und dem Boxsport zu größerem Ansehen verhelfen könnte.
Quo vadis, Profi-Boxen?
Was dürfen wir vom zweiköpfigen Monster Profi-Boxen in der Zukunft erwarten? Taumelt der Sport weiter zwischen den wirtschaftlichen Interessen von Promotern, TV-Sendern und Verbänden? Oder erleben wir doch noch einmal die Krönung von “echten” unumstrittenen Weltmeistern vom Format eines Mike Tyson oder Roy Jones jr., die nicht nur gegen die Besten ihrer Zeit angetreten sind, sondern dabei auch WM-Titel sammelten wie andere Leute Briefmarken? Fest steht: Egal ob Ricky Hatton oder Manny Pacquiao am Samstagabend in Las Vegas den “Battle of East and West” gewinnt – der Sieger wird sich, auch ohne “großen” Titel, für den Moment als bester Boxer der Welt fühlen und feiern lassen. Sehnt sich der sportbegeisterte Zuschauer auch nach einem offiziellen Gü(r)te(l)siegel, wird doch eines deutlich: Unabhängig von all der Politik und all den Querelen hinter den Kulissen entscheiden letzten Endes die Boxer im Ring, ob ein Kampf zu einem großen Kampf wird. Und die Fans krönen den wahren Champion durch ihren Jubel, ihre Unterstützung und nicht zuletzt auch die Entscheidung, 50 Dollar für einen Pay-Per-View-Kampf auszugeben…
“Money” Pacquiao – Boxer, Geschäftsmann, Werbe-Ikone
Der Grund ist in erster Linie das liebe Geld. PacMans Promoter Bob Arum geht davon aus, dass Pacquiao mit dem Kampf durch die Splittung der Einnahmen und der Beteiligung an den TV-Geldern bis zum 20 Millionen US-Dollar verdienen kann. Definitiv genug für einen Abend harte Arbeit, auch genug, um drei Prozent Verbands-Gebühren für eine WM verschmerzen zu können, sollte man meinen. Doch “Money” Pacquiao hat schon länger keine Lust mehr darauf, sein Einkommen mit den Verbänden zu teilen. Und er muss es auch nicht, da sich die großen amerikanischen TV-Sender – namentlich HBO und Showtime – nicht mehr für Titel, sondern in erster Linie für Namen, Köpfe und Kämpfe interessieren.Dass es die Verbände waren, die “PacMan” dazu verholfen haben, Weltmeister in vier Gewichtsklassen zu werden, sich so einen Namen zu machen und zum absoluten Top-Star der Szene aufzusteigen, ist da nur noch Randnotiz. Spätestens seit er im so genannten “Dreamfight” im Dezember 2008 Oscar De La Hoya besiegen konnte und dafür satte 11 Millionen US-Dollar kassierte, braucht der philippinische Volksheld keinen offiziellen Titel mehr, um sich als bester Boxer der Welt zu fühlen und von Fans und Experten als solcher anerkannt zu werden. Schon seit Jahren schlägt der inzwischen 30-Jährige eine Schneise quer durch die Gewichtsklassen und hat sich so Respekt und den Titel des “Pound-for-Pound-Champions” erarbeitet, also desjenigen Boxers, der “pro Pfund” am stärksten ist. Pacquiao gewann im März 2008 den WBC Super Federgewichtstitel gegen Juan Manuel Marquez. Statt diesen Titel zu verteidigen, stieg er lieber eine Gewichtsklasse auf und gewann gegen David Diaz den WBC-Titel im Leichtgewicht.Wiederum entschied er sich gegen eine Titelverteidigung und für den extrem lukrativen Kampf gegen De La Hoya – da der gerade keinen Titel hielt und für das Leichtgewicht deutlich zu schwer war, fand dieser Kampf außerhalb der von den Verbänden vorgeschriebenen Gewichtsgrenzen statt, so dass es um keine offizielle Meisterschaft gehen konnte. Fernsehen und Fans interessierte das Duell trotzdem, so dass mit dem “Dreamfight” insgesamt 100 Mio. US-Dollar umgesetzt werden konnten.
Den Namen in Gold aufwiegen? – Der Kampf vor dem Kampf
Spätestens durch diesen Kampf “lernte” der geschäftstüchtige Pacquiao von seinem Gegner und großen Vorbild De La Hoya endgültig, dass sich richtig große Kämpfe auch ohne den offizielle Segen von WBC, WBA, WBO und IBF – und damit ohne lästige Gebühren – an den Verbänden vorbei organisieren lassen.Eine wichtige Erkenntnis für “PacMan”, der in der Szene dafür bekannt (und nicht nur beliebt) ist, dass er mindestens so erbittert vor dem Kampf um die Börse wie im Ring um den Sieg kämpft. Auch das Ost-West-Duell gegen Hatton wäre fast daran gescheitert, dass Pacquiao durch seinen Promoter Bob Arum anfangs eine Aufteilung der Einnahmen von 60-40 verlangen ließ – man einigte sich schließlich auf eine Splittung von 52-48 zugunsten von Pacquiao. In seiner Heimat, den Philippinen, ist Manny trotz dieser Extravaganzen Volksheld und Werbe-Ikone. Schon 2004 empfing ihn die Präsidentin und überreichte ihm eine Verdienstmedaille, noch im selben Jahr erhielt er die Ehrenmedaille vom Senat sowie die Ehrendoktor-Würde der Southwestern University in Cebu City. Mit seinem Namen preist er nicht nur Lebensmittel und Arzneien an, sondern hilft zudem der Einkommenssteuerbehörde, die mit seinem Namen das Volk an die Steuerpflicht erinnert. Ausgerechnet er – ein Schelm, der Böses dabei denkt…
Ricky Hatton – die britische Ikone
Sein Gegner am Samstag gilt zwar eher als bodenständiger “Schläger”, als der Typ von nebenan. Die zurzeit neben Klitschko-Gegner David Haye größte britische Box-Ikone überzeugt aber durch unbändigen Kampfeswillen und eine lautstarke Fan-Gemeinde, die ihm traditionell bis Las Vegas folgt und schon bei seinem ersten ganz großen Kampf gegen den damals amtierenden “Pound-for-Pound-King” Floyd Mayweather jr. im Dezember 2007 für Wembley-Stimmung sorgte.Doch auch Hatton hat keinen “großen” WM-Titel in die Waagschale zu werfen, obwohl er allgemein als bester Halbweltergewichtler der Welt gehandelt wird. Nach einem ähnlichen Werdegang wie Pacquiao ist der ebenfalls 30-Jährige aber auch nicht mehr auf goldene Gürtel angewiesen. Als damals amtierender IBF- und WBA-Weltmeister entschloss sich der “Hitman” im Mai 2006 dazu, seine Titel niederzulegen, um im lukrativer scheinenden Weltergewicht den WBA-Weltmeister Luis Collazo zu entthronen. Statt aber bei den etwas schwereren Jungs zu bleiben, ging Hatton wieder zurück in seine angestammte Gewichtsklasse, wo er sich im Januar 2007 gegen Juan Urango auf Anhieb den IBF-Titel zurück erkämpfte. Sein zweiter Abstecher ins Weltergewicht endete 2007 zwar mit der bislang einzigen Niederlage des Briten gegen den übermächtigen Mayweather, dafür aber auch mit einem prall gefüllten Bankkonto und der Erkenntnis, dass große Titel nicht mehr notwendig sind, wenn man erst einen großen Namen hat.
Gefangen in den Strukturen der Verbände und Geldbörsen der Stars
Dass die Boxer also nicht auf die Verbände angewiesen sind, um großes Geld zu verdienen, ist die eine Seite der Medaille. Aber warum ist es scheinbar keine Ehre und kein besonderer Antrieb, einen Weltmeistergürtel zu tragen? Kein Fußballer fährt doch bis in die Haarspitzen motiviert zur WM, weil die vereinbarte Titelprämie so hoch ist. Warum reicht beim Boxen der Titel an sich nicht (mehr) als Motivation aus? Grund ist wohl, dass die vier großen Welt-Verbände zwar das Gerüst und den Rahmen für das moderne Profi-Boxen stellen, aber ebenso umstritten sind wie die Promoter und die gesamte Box-Politik. Zum einen wollen die Verbände Geld verdienen und erfinden deswegen zum Teil willkürlich neue Titel, um den Boxern Gebühren für Meisterschafts-Kämpfe abzuknöpfen. So führt die WBA neben dem Weltmeister in vielen Gewichtsklassen noch einen Super-Weltmeister, manchmal zudem Interims-Champions oder – wie aktuell im Schwergewicht mit Chagaev und Valuev – einfach mal zwei Titelträger nebeneinander.
Durch das Gerangel der Verbände hängt das Boxen in den Seilen
Zum anderen stehen die vier Branchenführer WBC, WBA, WBO und IBF in direkter Konkurrenz zueinander und diktieren aus gegenseitiger Geringschätzung zum Teil unsinnige Pflicht-Verteidigungen, anstatt Titelvereinigungen zu fördern, durch die der beste Boxer jeder Gewichtsklasse ermittelt werden könnte.Aktuellstes Beispiel hierfür ist der Amerikaner Timothy Bradley, bis vor kurzem WBC-Weltmeister im Halbweltergewicht. Am 4. April konnte sich der ungeschlagene 25-Jährige knapp aber verdient gegen WBO-Champion Kendall Holt durchsetzen und so zwei der vier “großen” Gürtel auf sich vereinen. Prompt setzte die WBC Bradley die Pistole auf die Brust und forderte ihn auf, sich zwischen den Titeln bzw. den nun wartenden Pflichtherausforderern zu entscheiden.Schweren Herzens legte der Mann mit dem Kampfnamen “Desert Storm” seinen WBC-Gürtel – der ihm erst die Chance gegeben hatte, um den Titel der WBO zu boxen – nieder, und die verständnislosen Box-Fans mussten wieder einmal einsehen, dass unumstrittene Weltmeister von den Verbänden wohl nicht gewollt sind. Hier beißt sich die Katze in den Schwanz. Die Weltverbände kritisieren auf der einen Seite, dass sie durch die Boxer “missbraucht” würden, die sich durch ihre Hilfe einen Namen machen und zu großen Stars werden, sie dann aber bei den lukrativen Kämpfen “aussperren”. Auf der anderen Seite entwerten sie ihre Gürtel durch Titel-Inflation und verhindern aus Habgier und Konkurrenzgehabe einheitliche Weltmeister, die sowohl den Überblick als auch die Wertigkeit von Titeln neu definieren würde und dem Boxsport zu größerem Ansehen verhelfen könnte.
Quo vadis, Profi-Boxen?
Was dürfen wir vom zweiköpfigen Monster Profi-Boxen in der Zukunft erwarten? Taumelt der Sport weiter zwischen den wirtschaftlichen Interessen von Promotern, TV-Sendern und Verbänden? Oder erleben wir doch noch einmal die Krönung von “echten” unumstrittenen Weltmeistern vom Format eines Mike Tyson oder Roy Jones jr., die nicht nur gegen die Besten ihrer Zeit angetreten sind, sondern dabei auch WM-Titel sammelten wie andere Leute Briefmarken? Fest steht: Egal ob Ricky Hatton oder Manny Pacquiao am Samstagabend in Las Vegas den “Battle of East and West” gewinnt – der Sieger wird sich, auch ohne “großen” Titel, für den Moment als bester Boxer der Welt fühlen und feiern lassen. Sehnt sich der sportbegeisterte Zuschauer auch nach einem offiziellen Gü(r)te(l)siegel, wird doch eines deutlich: Unabhängig von all der Politik und all den Querelen hinter den Kulissen entscheiden letzten Endes die Boxer im Ring, ob ein Kampf zu einem großen Kampf wird. Und die Fans krönen den wahren Champion durch ihren Jubel, ihre Unterstützung und nicht zuletzt auch die Entscheidung, 50 Dollar für einen Pay-Per-View-Kampf auszugeben…
Quelle : http://www.sportal.de/sportal/generated/article/boxen/2009/04/30/12878300000.html
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