Das armselige Leben von Mädchen und Jungen auf den Straßen Manilas zeigten die Schüler des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums in einer eindringlichen Inszenierung des Theaterstücks „Knastkinder“.
Jonathan wächst in Berlin auf. Sein Vater stammt von den Philippinen. In den großen Ferien reist die Familie nach Manila, um dort Verwandtschaft zu besuchen. Eines Tages macht sich der Jugendliche dort mit einem Stadtplan bewaffnet auf, um die Stadt allein zu erkunden. Er landet in den Slums, wird ausgeraubt und von der Polizei aufgegriffen, die ihn – ohne Kleidung, Geld und Ausweis – ins Gefängnis sperrt. Der Hauptfigur Jonathan des Theaterstücks „Knastkinder“, das die Klasse 9c des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums jetzt in der Aula des Hildegard-von-Bingen-Gymnasiums aufführte, ergeht es wie vielen der zahllosen Straßenkinder in der Hauptstadt der Philippinen. Nach Schätzungen von Preda, einer von Pater Shay Cullen gegründeten Organisation, die sich dieser Kinder annimmt, sitzen rund 20 000 von ihnen – die Jüngsten keine zehn Jahre alt – in Manilas Gefängnissen, rechtslos und der Gewalt der Erwachsenen ausgesetzt. Der Staat sperrt sie wegen kleinster Vergehen ein, um sie schlichtweg von der Straße zu bekommen.Pater Shay Cullen saß während der Aufführung im Publikum und las anschließend auss einer Biografie. Ebenfalls dabei waren der Autor von „Knastkinder“, Rüdiger Bertram, und das Kölner „Tatort“-Team. Die Schauspieler Dietmar Bär, Klaus Behrendt und Joe Bausch waren von der Inszenierung begeistert, die die Schüler mit ihrer Deutschlehrerin, Christina Rutsch, erarbeitet hatten und sparten anschließend nicht mit Applaus. Behrendt meinte: „Ich bin voller Hochachtung. Ihr könnt stolz sein auf diese Leistung und den Mut, mit dem ihr auf die Bühne gegangen seid.“ Die Kölner „Tatort“-Kommissare hatten Pater Cullen in zusammenhang mit den Dreharbeiten zu „Manila“ (1997) kennen gelernt. Eine „Tatort“-Folge mit Folgen.Behrendt erzählte in der anschließenden Podiumsdiskussion, in der er, seine Kollegen und Cullen sich den Fragen der Schüler stellten: „Ich hatte eine 80 Quadratmeter große Hotelsuite, und draußen hausten die Kinder in Pappkartons, gerade mal so groß wie Waschmaschinen. Wir waren uns einig, dass wir nicht einfach wieder so gehen konnten.“ Das Filmteam gründete dafür den „Tatort“-Verein und unterstützt seitdem die Arbeit von Preda.Mit Spenden, aber auch durch Öffentlichkeitsarbeit. Dazu gehört das Theaterstück Betrams. Dietmar Bär erläuterte: „Wenn junge Menschen sich schon mit dieser Problematik auseinander setzen, dann können sie als Erwachsene anders handeln, weil sie sich bewusster entscheiden. Beispielsweise für den Kauf fair gehandelter Produkte, weil diese den Kleinbauern überall auf der Welt ein Leben jenseits der Slums der Mega-Städte und eine gute Ausbildung ihrer Kinder ermöglichen.“ 150 Mal war das Stück „Knastkinder“ im vergangenen Jahr an deutschen Schulen aufgeführt worden. Die 9. Klasse des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums war jetzt die erste, die sich die im Sommer dieses Jahres erscheinende Roman-Fassung vornahm und daraus eine eigene Theaterfassung schuf. Betram hatte ihnen das Manuskript zur Verfügung gestellt, „weil ich wissen wollte, wie mit dem Roman umgegangen wird“. Das Ergebnis überzeugte den 41-Jährigen uneingeschränkt. Eigentlich war das Programm für zwei Abendveranstaltungen angelegt. Zunächst wollte man das Theaterstück aufführen, an einem zweiten Abend sollten die Podiumsdiskussion und die Lesung aus Pater Shay Cullens Autobiografie stattfinden. Doch der Einsturz des Stadtarchivs am 3. März machte dieses Vorhaben zunichte. Umso dankbarer waren die Schülerinnen und Schüler und ihre Deutschlehrerin, Christina Rutsch, über die Einladung des Hildegard-von-Bingen-Gymnasiums, dort aufzutreten. Ein Gewinn war das ohne Frage für beide Seiten.
Quelle : http://www.ksta.de/html/artikel/1238966847635.shtml
Wer Kontakt zu Pater Cullen aufnehmen möchte kann sich bei mir melden, ich habe Email Adresse und Cellphone Number von ihm. Max108 (max108@gmx.de)
Deutschland, Philippinen
armut, Kinder
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