Flora Bremon und ihr Mann Ernesto haben neun Kinder, zusammen leben sie im Armenviertel von Manila. 500 Pesos, das sind etwa acht Euro, bringt Ernesto jede Woche nach Hause. Das Geld reicht kaum zum Überleben. Verhütungsmittel können sie sich nicht leisten, so viele Kinder waren nicht geplant.
Drei Kinder kommen auf den Philippinen zur Welt – in jeder Minute. Die Geburtenrate liegt bei 3,32 Kindern pro Frau (Quelle: CIA-World-Factbook 2008), bei den Armen aber ist sie weitaus höher. Familien mit sieben oder acht Kindern sind normal. Die Müttersterblichkeit ist sehr hoch, ein Drittel aller werdenden Mütter hat kein Geld für Vorsorge oder ärztliche Betreuung bei der Geburt. Bis zum Jahr 2000 gab es Verhütungsmittel für die Armen in Krankenhäusern und Gesundheitseinrichtungen. Doch das ist verboten, seit es den Erlass “Executive Order 003″ gibt. Ärzte, Hebammen und Krankenschwestern in staatlichen Krankenhäusern sollen Frauen nicht mehr über medizinische Verhütung informieren.
Der Erlass 003 stammt von Lito Atienza, dem früheren Bürgermeister Manilas. Heute ist er Umweltminister in der Regierung Arroyo. Hinter ihm steht die katholische Kirche. “Es war nicht meine Absicht, mich in das Familienleben oder die Familiengröße einzumischen”, sagt Atienza, “meine Philosophie ist nur, dass wir akzeptieren sollten, was die Natur, was Gott den Familien gegeben hat. Was ich erreichen wollte, war die Zuversicht zu stärken, das Vertrauen in die von Gott gegebene Fähigkeit fruchtbar zu sein und nicht aus rein ökonomischen Gründen unsere Werte zu zerstören.”
Manilas Mütter aber sind verzweifelt, sie können teure und unsichere Verhütungsmittel nur auf dem Schwarzmarkt kaufen. Jetzt klagen die Mütter aus Manila vor dem Obersten Gerichtshof des Landes. Sie wollen, dass der Erlass 003 abgeschafft wird. Eine von ihnen ist Fammie Esquilona: “Ursprünglich wollten mein Mann und ich nur drei Kinder, aber als wir zum Gesundheitscenter gingen, gab es keine Verhütungsmittel mehr. Ich konnte mir das nicht leisten, jetzt haben wir neun Kinder. Verhütung hat doch nichts mit Katholizismus zu tun. Es kommt nur darauf an, ob man es sich leisten kann. Herren wie Atienza sind davon natürlich nicht betroffen. Es trifft nur uns, die Armen.”
Quelle: ZDF Auslandsjournal
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